Betriebsübergabe im Handwerk

Das Thema Nachfolge ist nicht nur für Unternehmer wichtig, die aus Altersgründen über eine Betriebsübergabe nachdenken.

Auch junge Unternehmer können erkranken, einen Unfall haben oder schlimmeres. Dieser Sachverhalt betrifft im Durchschnitt 26,3 % der jährlichen Betriebsübergaben. Wer führt dann die Geschäfte weiter?

Unabhängig vom Kreditrating der Hausbank sollte es somit im Interesse jedes guten Unternehmers sein, einen qualifizierten Nachfolger für den Notfall parat zu haben, der über die laufenden Geschäfte informiert und in alle betrieblichen Interna eingeweiht ist.

Frühzeitig an die Nachfolge denken ist Voraussetzung für eine erfolgreiche Betriebsübergabe

Nur dann ist genügend Zeit, sich umfassend zu informieren, zu planen, Alternativen zu prüfen, die richtigen Entscheidungen zu treffen oder notfalls Korrekturen vorzunehmen.

Kalkulieren Sie mindestens fünf Jahre für den gesamten Prozess der Unternehmensübergabe.

 Innerhalb dieses Zeitraums sollten Sie:

  • das Unternehmen als wirtschaftlich rentablen und wettbewerbsfähigen Betrieb auf die Übergabe vorbereiten,
  • einen Nachfolger wählen, vorbereiten, qualifizieren und in das Unternehmen einführen,
  • sich für eine zuverlässige Altersversorgung bzw. –vorsorge entscheiden,
  • das Familienvermögen sichern,
  • sich über alle steuerlichen und rechtlichen Konsequenzen einer Übertragung informieren,
  • sich konkrete Gedanken über die eigene Lebensplanung machen.

Besonders wichtig für den erfolgreichen Betriebsübergabeprozess ist die Suche und Auswahl des richtigen Nachfolgers. Wer heute einen Handwerksbetrieb selbstständig führen will, der braucht nicht nur überdurchschnittliches fachliches Können, sondern auch kaufmännisches Geschick und Erfahrung in der Unternehmensführung.

Die Übergabe eines Handwerksbetriebes berührt damit unterschiedlichste Bereiche.

Bei der Betriebsübergabe kann es deshalb keine pauschale Lösung geben, sondern jede Übergabe muss auf den jeweiligen Einzelfall abgestimmt werden.

 Die Ziele der Betriebsübergabe

Bei der Betriebsübergabe werden die Weichen für Ihre Zukunft und die Ihres Nachfolgers gestellt. Setzen Sie sich deshalb rechtzeitig mit Ihren persönlichen und betrieblichen Zielen auseinander, die Sie mit der geplanten Betriebsübergabe verfolgen. Formulieren Sie für sich und zusammen mit Ihrer Familie die Ziele. Denken Sie bei Ihren Entscheidungen auch an die Konsequenzen für Ihre Mitarbeiter und deren Familien.

Mögliche Ziele sind:

- den Betrieb langfristig sichern durch
  * klare Eigentumsverhältnisse,
  * überschaubare Führungsverhältnisse,
  * keine zu hohen finanziellen Belastungen für den Nachfolger
  * Lebenswerk „Betrieb" erhalten,
  * vertragliche Regelungen (Miet-, Pachtverträge usw.) treffen

- die Arbeitsplätze erhalten
  * qualifizierte Arbeitsplätze als wichtiges Kapital für den Nachfolger,
  * Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern

- eigene Altersversorgung sichern
  * finanzielle Absicherung des Unternehmers und seiner Familie
  * Unabhängigkeit von laufenden Zahlungen durch den Betriebsnachfolger

- das Erbe umfassend regeln
  * eindeutige Eigentumsverhältnisse
  * klare Verhältnisse für die betriebliche Führung
  * Beteiligung der Kinder am Betrieb
  * Abfindung mit Vermögenswerten aus dem Privatbereich
  * keine Zersplitterung des Betriebes

- die Steuerbelastung optimieren
  * Einkommensteuer
  * Erbschafts- und Schenkungssteuer

Eine optimale Übergabelösung sollte Ihre persönlichen Ziele berücksichtigen.
Entwickeln Sie darauf aufbauend gemeinsam mit Ihrem Nachfolger eine Übergabestrategie.
Denken Sie immer daran: Kein Wechsel in der Unternehmensgeneration verläuft ohne Reibungen.
Die Interessen der Beteiligten sind häufig gegensätzlich.
Diese Interessenkollisionen sollten konstruktiv im Interesse aller beteiligten Parteien und im Interesse des Unternehmens ausgeglichen werden. Hilfreich ist hierbei ein gemeinsam ausgearbeiteter konkreter Fahrplan, in dem Sie Ihre Ziele aufeinander abgestimmt festlegen.

Mögliche Formen der Betriebsübergabe

Die im Handwerk üblichen Formen der Betriebsübergabe sind:
- der Verkauf des gesamten Betriebes,
- der Verkauf einzelner Wirtschaftsgüter und die Vermietung der Betriebsräume,
- die Schenkung des Betriebes,
- die Verpachtung oder
- die Beteiligung des Nachfolgers

Welche dieser Grundformen in Ihrem falle die Beste ist, lässt sich nicht allgemein beantworten. Dazu sind die Betriebe zu unterschiedlich und die Gestaltungsmöglichkeiten zu vielfältig.

Die Entscheidung hängt von verschiedenen Faktoren, wie persönliche Zielsetzungen, familiäre Verhältnisse, eigene Altersversorgung, voraussichtliche Steuerbelastung, private und betriebliche finanzielle Situation, Qualifikation des Nachfolgers, Finanzierungsmöglichkeiten des Übernehmers, ab.

Bei den vielfältigen Möglichkeiten der Betriebsübergabe ist eine individuelle Beratung notwendig. Beginnen Sie frühzeitig mit der Planung, damit rechtzeitig die Weichen für eine erfolgreiche und für alle Beteiligten zufrieden stellende Nachfolgeregelung gestellt werden können.

In Gesprächen mit den jeweiligen Experten können Fehler vermieden, mögliche steuerliche Belastungen reduziert und rechtliche Konsequenzen ausgewogen formuliert werden.

Wer kann helfen?

Ein erstes Gespräch sollten Sie mit einem Betriebsberater der Handwerkskammer führen. Dieser berät, begleitet und führt Sie auch als Lotse durch die Themen und Probleme, die sich bei einer Betriebsübergabe ergeben.

Nutzen Sie Ihre Möglichkeiten als Mitglied der Handwerkskammer Frankfurt (Oder) – Region Ostbrandenburg.

Ihnen stehen als Mitgliedsbetrieb die Dienstleistungen Ihrer Handwerkskammer kostenfrei zur Verfügung.

Burghard Luschke

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